Bitterfeld: Gefängnis / Strafvollzug DDR

Hallo Fredchecker, hatte auch die Fragliche Ehre in der Goitsche auf dem Holzplatz zu arbeiten. Das war 1983. Dann 1984 wurde ich entlassen, hatte aber nochmals das Vergnuegen 5 Monate spaeter wieder einzufahren nach einem Argument mit der Polizei. Hab dann in der Brikettfabrik gearbeitet.
 
Hallo alle

Wir sind auf der Suche nach Zeitzeugen zum HAL Dessau (Aussenlager Frauen) aber arbeiten an allen HAL im ehemaligen Chemiedreieck.

MfG

https://www.facebook.com/HALDessau/
 
Martin, es heißt doch: "Alle Guten Dinge sind 3" :lemo:
PS: Was machen die 3 Beiträge in € aus; bzgl. sparen?

LG
Andreas
 
Hallo Martin,
ich hatte Probleme mit dem Server. Dann waren alle 3 Kommentare auf dem Forum. Das Kann ich aber nicht wieder entnehmen.
Sicher kann der Admin, den ich hiermit einen Gruss ausrichte, den ersten und letzten Beitrag entfernen.

MfG
 
Martin, es heißt doch: "Alle Guten Dinge sind 3" :lemo:
PS: Was machen die 3 Beiträge in € aus; bzgl. sparen?

LG
Andreas


Danke, Deine Bilder sind Ausgezeichnet und seltene Dokumente da es ja kaum noch Fotos von diesem Lager gibt.
Wir sind dabei etwas Aufarbeitung zu all den Lagern im Chemiedreieck zu machen.

Ich hoffe, das alle die hier dazu etwas geschrieben haben auch mal bei uns einen Kommentar ablassen und Detail aus der Vergangenheit wieder zu erwecken.
Unser Ziel dabei ist es nicht den Menschen aus der ehemaligen DDR auf den Fuß zu treten, sondern wirklich mal eine Plattform zu erschaffen auf der jeder seine Erlebnisse und Beobachtungen beitragen kann.
 
Auf der Suche in den "sozialen Medien" nach einem "alten" Freund, den ich 1983 in Bitterfeld kennen lernen durfte, bin ich auch über diesen kleinen Thread hier gestoßen und wurde mal wieder zu mehr angeregt als eigens geplant.
Aber fangen wir mal am Anfang an: Ich war Häftling 3575! Ja das durfte man nicht sagen, aber ich habe in meinen Augen nie eine Straftat begangen und wurde nur deswegen inhaftiert, weil ich mehr von der Welt sehen wollte, als es dem Bürger der DDR zugestanden wurde.
Nach der doch sehr einsamen "Untersuchungshaft" kam ich dann im September 83 nach Bitterfeld ins Haus 3 und wurde der Materialaufbereitung Bitterfeld (MAB) als Billiglohnkraft überlassen. Meine ersten Begegnungen waren Tommy, der Brigadier versetzte mich in einen Schockzustand! Tätowiert von oben bis unten und sein Spanner Dieter hatte wohl gar keinen Fleck mehr frei, wo noch ein "Bildchen" hätte hinpassen können. Dann gab es da noch 2 Andere, die nicht ganz so "bemalt" waren und ich dachte: "na das kann ja Heiter werden?"
Und das wurde es auch! Statt mich wie von Kresse gefordert immer daran zu ermahnen, das ich mich als "Strafgefangener" zu bezeichnen hätte, wenn ich angesprochen werde oder mich zu melden hatte, machten sich die ersten Beiden einen Jux daraus und machten mir eher noch Mut, als mich in die entsprechenden "Regeln" einzuweisen. Ich denke mal ,das dies wohl auch mit daran lag, das ich mir vom 1'sten Tag an nichts hab annehmen wollen und ich mein eigenen Weg gehen wollte. Wie gesagt! Ich habe ja nichts verbrochen. Im Frühjahr 84 hatte ich dann einen "Arbeitsunfall" auf der MAB :( Mein 10Kilo Hammer, mit dem ich den Gussmantel von den Motoren befreien sollte, brach der Steil und Dummerweise bekam ich das dicke Ende dann auch noch aufs Kinn, woraufhin ich eine Platzwunde erlitt, welche bis auf die Zähne durchschlug. Nach mehreren Stunden ging es dann mal ins Krankenhaus, wo die Wunde genäht werden musste. Jeder Arzt, der das Heute sieht, schlägt die Hände über den Kopf zusammen und fragt, wer das verpfuscht hat! Aber Namen wurden ja damals nicht genannt :(
Nach diesem Unfall musste ich das Kommando nicht verlassen und blieb bis zu meiner Entlassung im April 84 auf der Station. Besagter Freund wurde einige Tage vor mir entlassen und ich war sehr erfreut darüber, das er sein Versprechen war gemacht hatte und mich am Tor abgeholt hatte. Wir hatten dann noch einige Zeit kontakt, bis sich dann unsere Wege trennten.
"Abgeschoben"; so wie erhofft; wurde ich nicht und ich bin auch weiterhin meinen eigenen Weg gegangen, egal welche Folgen dies hatte. Es waren keine schöne Zeiten und dennoch waren es Erfahrungen, welche mich meine bisherige Zeit immer begleitet haben; mich in vielen Dingen anders auf die Dinge hat schauen lassen! Ich bin seither nicht Leiser geworden und habe 89 lautstark mit dafür gestreitet, das wir; die Bürger; doch selber entscheiden sollten, wo und wie wir unser Leben aufbauen dürfen.
Nach der Wende bin ich dann hier geblieben, weil ich es viel wichtiger fand, unsere Heimat in eine bessere zu verwandeln und uns nicht von den nächsten Dummschwätzern einlullen zulassen. Leider kam dann vieles anders :( Wir wurden verhökert und verramscht; ausgeraubt und verschaukelt, nur damit es wieder das eine Volk gibt! Wohin uns das geführt hat sehen wir auch nach 30 Jahren noch nicht!
Aber die Namen wie Tino; Tommy oder Dieter! Die sind geblieben und bleiben wohl auch solange wie es mich geben wird.

Ich danke Euch für diese Seite!
Hoffe und wünsche Euch, das Ihr die Zeit, von der hier berichtet wird, nicht nur als Niederschlag seht, sondern auch etwas positives abgewinnt.
LG Krasus oder wie ich immer so schön sagte: Häftling 3575 verabschiedet sich!

PS: Krasus war mein Spitzname, der mir damals von einem Schweriner, der auch mit bei MAB war, gegeben wurde.
Ach ja: Hab ich vergessen :) Ich habe hier eine Mailadresse angegeben, welche beim Admin erfragt werden kann und ich würde mich sehr über Bilder freuen, welche die Haftanstalt abbilden ;) Danke!!
 
Zuletzt bearbeitet:
nun ja, der user gerhard michael vermischt wohl einige erfahrungen, zeiten und orte. das sollte er mal versuchen aus zu sortieren. es ist ganz klar, das es viel schweinerei in ddr-gefängnissen und sog. jugendeinrichtungen gab, ohne frage. aber alles miteinander zu vermengen bringt für das bild der einzelnen stve nix.
für bitterfeld kann ich für 1983 (und aus heutiger sicht) nur sagen, das man betreffs der pol. gefangenen wohl eher um "ruhe" bemüht war - schliesslich ging ja wöchentlich ein "transport" und wie heute bekannt ist hatte man bitterfeld eh schon auf dem kieker von westlicher seite.
zu meiner zeit waren auf MAB von rund 20 leuten pro kommando 5 bis 6 kriminelle, der rest zeugen bzw "normale" wehrdienstverweigerer oder eben 213er. schön wars nie, aber mit dem ziel vor augen überlebbar. das essen war teilweise so unbeschreiblich mies, das sogar die zivilmeister sich beschwert haben .. mit erfolg. beschissen irre schliesser gabs auch (die spitznamen sind mir entfallen) genauso, wie welche, die einfach nur ihren job taten. teilweise sogar mit menschlichen anwandlungen.
zum thema traumata. schwierige sache das - jeder empfindet und verabeitet anders. und die meissten politischen wussten ja was sie taten und wie es enden kann oder wird. vll ein bisschen märtyrertum dabei damals ;o). nach der wende fanden sich viele, die sich mehr oder weniger öffentlich hinstellten und jammerten, wie schlimm alles gewesen ist und wie traumatisiert sie wären und, und, und. ich hab nur den kopf geschüttelt. damals.
rund 20 jahre später ereilten mich erste alpträume. nix schlimmes in den träumen - schlimm war die tatsache an sich. es holt einen ein bzw lässt nie los...
nun gut .. käppi ab, reihe rechts!
;o)
 
Hey G. M.

war 85/86 in der "Blockgiesserei" und kurz MAB und zwei mal eine Woche Arrest ! Gelengtlich überkommen mich auch immer noch die Erinnerungen !! Bei uns im Haus waren die Chlorarbeiter. Die sahen aus wie Zombies. Unglaublich. Aber die schlimmsten waren die Schliesser. Wenn die schlechte Laune hatten sind die zu dritt auf einen los. Nur weil die Haare angeblich zu lang waren. Arztbesuche nur kurz vor dem verrecken. Die haben uns zur Frühschicht zwei Stunden bei minus 15 Grad stehne lassen weil der Scheiss Bus kaputt war. Zu meiner Zeit haben Sie drei ins Haftkrankenhaus verlegt. Ob die noch leben weiß wahrscheinlich nur die Stasi.
Sollte einer ein Buch oder ähnliches verfassen, ich habe noch meinen Entlassungsschein und den Beleg meiner ausgezahlten Rücklagen.
Wenn du noch in Posdam wohnst, antworte mir. Berlin ist nicht weit.

A.
Hallo. Ich habe auf dem Strafkommando MAB gearbeitet. Zuerst musste ich Gussmotoren zerschlagen so das die anderen den Kupfer ausmeißeln konnten. Dann machte ich den Brennerpass und brannte von den ganzen Russengeräten das Silberraus,, dass später zur Legierung geschickt wurde, um so Silber vom Kupfer zu trennen. Ich hatte ständig Hunger und so wurden wir erfinderisch und haben Brot mit Schmalz gebraten, um so wenigstens ans fett zu kommen, dass wir dringend gebraucht haben. Was ist mir in Erinnerung geblieben. Ein Mithäftling war als Ordner eingesetzt, mit dem ich echte Schwierigkeiten hatte. Er hatte fette Lidstriche tätowiert, sie waren grün, er war groß und blond und äußerst brutal gegen andere Häftlinge. Bitterfeld ist der Grund meiner PTBS . Ich verbrachte noch viele Jahre in DDR Gefängnisse aber Bitterfeld war die Hölle. LG Michael B.
 
Guten Tag,
ich würde gern Genaueres zur Lage des Objektes erfahren um dies in eine online-Karte einzutragen.
Ich habe mich aktuell dafür entschieden » 51.6306°, 12.30662°

Stimmt das so ?
mfg Frank

PS:
Pionierbaubataillon 44
Kdo LaSK ÷ Mietobjekt
PiBB-44 Bitterfeld
Parsevalstraße ÷ Rückbau 2000
88215
08 · 124
 
In großen und ganzen treffend formuliert. Zuerst musste ich in einer Näherei arbeiten, dort wurde ich von mehreren Häftlingen sexuell missbraucht. Heute kann ich darüber reden. Es hat Jahre gedauert, bis ich drüber reden konnte. Erst 2002 kam mein körperlicher Zusammenbruch, mit 1 Jahr Klinik und anschließender Ambulanter Betreuung. Glaube mir, Bitterfeld war für mich die Hölle. Unter den Mithäftlingen galt ich als Abfall und wurde auch so behandelt. danach folgten noch mehrere Jahre Haft, wegen § 213 und andere nichtige Dinge, wie Meldepflicht nicht eingehalten, Arbeitsplatzbindung nicht eingehalten, Berlinverbot missachtet, Polizisten geschlagen und beleidigt, mein PM12 habe ich öffentlich verbrannt und und und. 1989 kam die Amnestie für politische Gefangene, und wurde am 29.12.1989 aus Schwarze Pumpe entlassen, dort arbeitete ich im Tagebau Klettwitz, das härteste überhaut was man sich vorstellen kann. Ich habe mich total zurückgezogen und konnte meine sogenannte Freiheit nicht fassen und ausleben, weil ich nicht dazu in der Lage war. Meine ganzen Urteile waren alle zu unrecht gefällt worden und wurde komplett rehabilitiert. Erst 2002 kam der vollkommende Zusammenbruch mit Gesichtslähmung. Erst danach lernte ich wieder am Leben teilzunehmen. Heute lebe ich immer noch zurückgezogen, weil ich unter Menschen nicht mehr leben kann, auch wenn ich es will, es geht einfach nicht. Ich bekomme Sozialhilfe, weil dauerhaft erwerbsunfähig und zu 50% Schwerbehindert bin. Jeden Tag nehme ich 60mg Mirtazapin um eigener Massen den Kopf hochhalten kann. Warum schreibe ich es so offen? Es war mir ein Anliegen es so offen zu schreiben. Vergewaltigung zerstört Menschen und ich wurde zerstört. LG Michael
 
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