Riga-Spilve: Flugplatz

the passenger

Well-known member
Hier einige Angaben und Bilder zum Flugplatz Riga-Spilve:

Der Flugplatz wurde kurz vor oder zu Beginn des 1. Weltkrieges ins Leben gerufen. Hier erst mal einige Links zur Geschichte:

https://en.wikipedia.org/wiki/Spilve_Airport
http://www.forgottenairfields.com/latvia/riga/riga-spilve-s674.html
http://www.spilve.org/?p=4&en

Die Zwischenkriegszeit vernachlässige ich hier mal.
Mit dem zunächst erfolgreichen Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion wurde der Platz im 2. Wk. mehrere Jahre von der deutschen Luftwaffe genutzt. Dabei wurden auch jüdische ZwangsarbeiterInnen zu Baumaßnahmen (Stichwort: " Vernichtung durch Arbeit") einbezogen: https://books.google.de/books?id=T3...v=onepage&q=Riga-Spilve wolfgang benz&f=false

Mit der Einweihung des neuen Terminal im Jahre 1954 (ein Jahr nach Stalins Tod, aber archtektonisch ganz nach seinem Geschmack) wurde der Flugplatz zu einem wichtigen Drehkreuz für innersowjetische Flüge/AEROFLOT. Nach Angaben eines lettischen Bekannten übten sowjetischen "Betriebsschutzgruppen/Heimatschutgruppen" aus der Umgebung hier in den 50/60er Jahren Fallschirmsprünge.


Die Außenaufnahmen (Heiligabend 2013):

Arrival at former Riga international airport.JPG H&S.JPG six pack.JPG opened 1954.jpg

(8/2017):
Schlüssel von Riga.JPG Hangar.JPG Flugleitung.JPG.

Seit der Eröffnung des neuen Internationalen Flughafens von Riga (RIX, bei Skulte) 1973 verfiel der Flugplatz in Spilve laut diverser Netzeinträge mehr und mehr in einen Dornröschenschlaf. Oder auch nicht: einige Anfang der 1980er Jahre errichtete Gebäude und bei Google Earth zu findende Strukturen (im Südwestbereich) lassen eine militärische Nutzung durch Hubschrauber mehr als möglich erscheinen. Im Netz habe ich dazu aber nichts "tragfähiges" finden können. Wenn meine obige Annahme stimmt, ist dies das Wachgebäude zum Heli-Bereich gewesen:

Guard building helicopter area.JPG

Nach der Unabhängigkeit Lettlands wurde der Flugplatz einige Zeit von der lettischen Luftwaffe genutzt, aber bald aufgegeben. Irgendwo im Netz gibt es ein Photo einer NATO-Übung mit Hubschraubern vor Ort aus 2006(!), kann ich aber grad nicht wiederfinden. Aktuell sind dort einige Kleinflugzeuge und Ultra-Light-Maschinen zu finden, ein sparsamer Flugbetrieb findet noch statt. Und seit 10 oder 15 Jahren bemühen sich irgendwelche Leute darum, im Terminal DAS lettische Fluggeräte-Museum zu errichten. Einige Gebäude in der Nähe des Terminals werden kommerziell nachgenutzt, viele andere wurden abgerissen. Seit kurzem gibt es das öffentlich zugängliche "Heli-Cafe" auf der Rückseite des Terminals.

Ich bin trotz mehrerer Anläufe in den letzten Jahren nie in das Terminal-Gebäude reingekommen. Ich wußte um Wandbilder aus der Stalinzeit. Diesmal hat es geklappt, aber dafür mußte erstmal ein Herr Büttner anreisen und mir "den Weg zeigen". Dafür vielen Dank!
Wir haben 6 Überwachungskameras am und im Terminal-Gebäude gefunden, dann den Monitor-Raum. Aber niemanden, der das überwacht (war wohl Frühstückspause). Und dann einen guten Kaffee getrunken.

Und die Innenaufnahmen (8/2017):

Mural in Spilve airport terminal.jpg The Riga flight.JPG Blumenkind.JPG Jurmala beach.jpg Ryanair-standart.jpg

Gutgehn, Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin, als Ortskundiger bezüglich des Flugplatzes Riga-Spilve möchte ich mal `ein bisschen` meinen Senf dazu geben und im Folgenden noch einiges an selbst erstelltem Material sowie eigenen Rechercheergebnissen zusätzlich zum Thema beitragen:

Zunächst sticht mir ganz besonders das als "The Riga flight.JPG" betitelte Foto ins Auge. Auf der Wandmalerei ist nämlich eine äußerst seltene Tupolev PS-35 abgebildet, mit ziemlicher Sicherheit wird dieses Abbild weltweit einmalig sein. Das Flugzeugmuster wurde nur in einer Kleinserie von 9 Linienmaschinen zuzüglich zwo Prototypen in den 1930er Jahren gefertigt, bis das Projekt zugunsten der Lisunov Li-2 (der von den Russen in Lizenz gebauten Douglas DC-3) eingestellt wurde. Dass es sich hierbei auch wirklich um das spezifische Muster und nicht etwa um die in gleicher Klasse spielende Li-2 handelt, ist anhand einiger Merkmale auszumachen:
1. Die Luftfahrzeugzelle besitzt eine deutlich flache Silhouette, ist stromlinienförmiger und schnittiger als der Rumpf der Li-2.
2. Der Rumpfbug (also die Flugzeugnase) fällt spitzer (ähnlich schon einem Vogelschnabel) aus - nicht so abgerundet wie bei der Li-2.
3. Im Generellen ist die PS-35 viel eher der Dart-Pfeil unter den beiden LFZ, als ähnliches drittes Merkmal fällt mir die Tragfläche ein. Diese ist selbst auf dem Wandbild als sehr dünn zu vernehmen - und Tatsache - das ist ein konkreter Anhaltspunkt. Flächeninhalt PS-35 58,0 qm - Flächeninhalt Li-2 91,33 qm. Klar, es ist etwas daher geholt, die auf Wandbildern projizierten technischen Eigenschaften von Flugzeugen miteinander zu vergleichen und zu analysieren, aber mehr zum mit arbeiten bleibt mir ja erstmal auch nicht.

Meine Informationen beziehen sich übrigens auf ein, ähnlich dem Flugzeug, seltenes Buch, das mir vor einiger Zeit ein erfahrener Restaurator für Luftfahrzeuge geschenkt hat. Quellenangaben:

Der Wikipedia-Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Tupolew_PS-35. Doch viel bedeutender noch - das Buch:

Nowarra, H. 1966. Die sowjetischen Flugzeuge 1941 – 1966. München: Lehmanns Verlag. [S. 38] In jener Buchstelle steht geschrieben, Zitat:

"Die Entwurfsgruppe Archangelskij entwickelte unter Tupoleffs Leitung 1935 ein Verkehrsflugzeug für 2 Mann Besatzung und 10 Fluggäste, dessen Prototyp 1936 auf dem Pariser Aero Salon ausgestellt wurde. Diese Maschine erhielt dann die Reg. Nr. URSS NO 35. Der bekannte russische Flieger Gromow flog dann im September 1936 mit dieser Maschine die Strecke Moskau-Leningrad-Moskau (1266km) in 3 Std. 38 Min. Gromow erreichte dabei beim Rückflug Leningrad-Moskau eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 380 km/h. Die Serienproduktion begann 1937. Die Maschine wurde dann zuerst im Streckenverkehr auf der Linie Moskau-Riga-Stockholm eingesetzt."

Aufgrund der Erwähnung Rigas wundert es mich also nicht, dass logischerweise in Riga diesem für seine Zeit bemerkenswert fortschrittlichen Passagierflugzeug eine Geltendmachung zuteil wurde. Riga-Spilve war seinerzeit gewissermaßen ein Drehkreuz für Personen-, allerlei Fracht- und Postflüge. Verschiedenste Flugstrecken (etwa nach bzw. von Schweden, Finnland, Russland,..) verliefen über Riga, was nicht zuletzt an den noch begrenzten Reichweiten der damaligen Flugzeuge und dem damit einher gehenden Bedarf von Zwischenlandungen lag. Riga lag so gesehen am Weg und Spilve war aufgrund dessen hinlänglich ausgebaut, um seine bedeutende Aufgabe wahrnehmen zu können. Zu Sowjetzeiten erreichte Riga-Spilve Werte von 50-60 Flugbewegungen pro Tag - das ist für einen solch kleinen Flughafen, ja, was in Deutschland der Größe eines Segelflugplatzes entspricht, enorm. Man bedenke, Riga-Spilve hatte selbst im Zenit seiner Betriebszeit immer eine gerade mal 1000m lange Start- und Landebahn gehabt.

Lange Rede, kurzer Sinn (um mal bei den Abbildungen der LFZ zu bleiben): Das Foto "Mural in Spilve airport terminal.jpg" zeigt die obig erwähnte Lisunov Li-2. Zumindest gehe ich aus dem Grunde, dass die Flugzeuge auf den beiden Fotos definitiv einem jeweilig anderen Flugzeugtyp zuzuordnen sind, davon aus, dass es sich auch wahrhaftig um entsprechend zwo verschiedene Wandbilder handelt. Außerdem erscheinen die LFZ in verschiedenen Winkeln dargestellt gepinselt.

Soviel dazu also, bin auf Kommentare und Anregungen gespannt und immer offen für Austausch.

Viele Grüße!
 
Hallo Plattfuß am Rhin,
erstmal Willkommen im Forum.
Kannst du den hellen Fleck unter dem rechten Triebwerk der Li-2 sehen? Auf dem Bild unter dem linken Triebwerk. Bei beiden Fotos an der gleichen Stelle.
 
Hallo, Herr Büttner, und danke fürs willkommen heißen. Au Weia, auf den Fleck habe ich bei den anderen Fotos gar nicht geachtet. Hab ich mit meiner Unvorsichtigkeit jetzt schon beim ersten Beitrag bis in die Steinzeit verschissen? haha

Vielen Dank jedenfalls auch für's darauf Hinweisen und liebe Grüße
 
Zunächst sticht mir ganz besonders das als "The Riga flight.JPG" betitelte Foto ins Auge. Auf der Wandmalerei ist nämlich eine äußerst seltene Tupolev PS-35 abgebildet, mit ziemlicher Sicherheit wird dieses Abbild weltweit einmalig sein. Das Flugzeugmuster wurde nur in einer Kleinserie von 9 Linienmaschinen zuzüglich zwo Prototypen in den 1930er Jahren gefertigt, bis das Projekt zugunsten der Lisunov Li-2 (der von den Russen in Lizenz gebauten Douglas DC-3) eingestellt wurde.

Das erwähnte Photo habe ich seinerzeit aus einer extremen Aufnahmeposition gemacht, womit ziemliche "Verstreckungen" des Motivs verbunden sind. Hier noch mal eine unschärfere, aber dokumentarisch wahrheitsgetreuere Abbildung:
Riga flight.JPG

Verschissen hast du keinesfalls, waren doch interessante Ausführungen. Mach einfach weiter!
 
Moin ihr beiden, das beruhigt mich doch zu hören! Hätte ich mir ja eigentlich gleich denken können, dass das eine Foto bloß eine Nahaufnahme des größeren Wandbildes ist.. Naja, hab ich mich damit wohl geirrt. Aber um auf Deine letzte Nachricht einzugehen, Christian - danke nochmal für den nachträglichen Zuschnitt. Denn zumindest habe ich mich nicht mit der Annahme geirrt, dass tatsächlich eine PS-35 aufgemalt ist!

Liebe Grüße!
 
Um mal auf den erwähnten sparsamen Flugbetrieb einzugehen - ja, es wird recht wenig geflogen da. Drum ist es aber umso schöner, wenn es gelingt, einen dieser seltenen Flüge einzufangen. Mit den Jahren und durch meine gezielte Jagd auf Flüge in Spilve ist eine den dortigen Umständen entsprechend vielseitige Sammlung entstanden, an deren Erstellung ich bislang immer große Freude hatte. Denn landschaftlich hat der Flugplatz wirklich einiges zu bieten! Da wäre diesbezüglich besonders der Blick die Piste herab von Norden aus auf ein ungewohntes Panorama von Riga hervorzuheben - besonders gut kommt das dem Sonnenaufgang entgegen bzw. mit Sonnenuntergang im Rücken in den Übergangszeiten.

Die längst ausgemusterte An-2 in braun-grünem Tarnanstrich gibt es zwar noch, jedoch steht die nicht mehr bei den Hangars, sondern am nördlichen Ende des Flugplatzes abgestellt. Dazu aber später mehr in einem detaillierteren Nachtrag. Auch bezüglich der Flugplatzwiese, von der aus ich das Foto gemacht habe, wird es noch mehr Hintergründe geben.

Voll im Saft steht hingegen die An-2 mit der Kennung 030 der lettischen Luftwaffe, die ich vor zwo Jahren im Oktober komplett per Zufall vor die Linse bekam. Darum auch das Gegenlicht. Die Reflektionen haben aber auch was.

Übrigens wird ganzjährig geflogen. Der Flugplatz ist heutzutage nur für VFR, also Sichtflugregeln, freigeben und somit auch nur für Betrieb nach Sichtflug ausgestattet. Im Winter ist es in Lettland oft bedeckt, zudem insbesondere mit niedrig hängender Wolkensuppe, drum kommt da mindestens von Ende Oktober bis Anfang März nicht viel zustande. Doch wenn uns mal ein winterliches Hoch erwischt, kann man auch im Winter aufsteigen - selbst bei nicht geräumter Piste. Man sieht schön die Verwirbelungen des Schnees durch die Wirbelschleppen an den Tragflächenenden und die Reifenspuren im Schnee.

Der absolute Knaller war eine Retro DC-3 aus Finnland, die Ende Mai 2023 nach Riga-Spilve kam. Wind davon habe ich dadurch bekommen, dass es, eines Abends in der Küche sitzend, von draußen auf einmal sehr laut grummelte. Bald war deutlich: Es muss sich um ein größeres Kolbenflugzeug handeln und Bingo - die DC-3 überflog im Sonnenuntergang meinen Hinterhof. Das ist das Urige an Spilve, denn es gibt zu dem Ort kein Flightradar, dort Flugzeuge einfangen ist gewiss ungewiss wie das Angeln gehen und erfordert ähnliches Beharren und Geduld. Über einen Kontakt habe ich von der Facebook-Seite des Betreibers erfahren, wo gepostet wurde, wann der Abflug aus Riga geplant wäre. Das war eines der wirklich seltenen Male, dass ich in dingfester Erwartung eines Flugzeuges quasi mit Flugplan in der Tasche zum Flugplatz raus gefahren bin. Die Ergebnisse lassen sich sehen. Besonders bin ich vom asymmetrischen Einfahren des Fahrwerks begeistert - das ist gelebte Luftfahrt!

Anbei auch noch ein bloß als "Flugbetrieb" betiteltes Foto. Zwo Kleinflugzeuge gleichzeitig kommen da schon mal vor, sind zumeist aber auch das höchste der Gefühle. Während einer Flugschau dieses Jahr im Mai war dann schon mal mehr los.

Unterm Strich - der Flugplatz ist belebt. Und das freut. Ja, die umliegenden Gebäude (vornehmlich der Tower) sind leider verkommen. Doch werden immerhin die Flugbetriebsflächen in Schuss gehalten und die Hangars sind auch soweit schnieke. Tatsächlich denken eigentlich so ziemlich alle Einwohner Rigas, mit denen ich so über den Flugplatz ins Gespräch gekommen bin, dass der alte Stadtflughafen komplett verlassen sei. Das ist ohne Flachs landläufige Meinung und die Leute sind dann doch durchaus überrascht, wenn ich da übers Gegenteil aus dem Nähkästchen plaudere.

Ich hoffe doch, der Gemeinschaft hier gefallen meine Bilder. Solltet ihr Interesse an weiteren Einblicken haben, kann das hier gerne nur der allererste Anfang gewesen sein. Dahingehend hätte ich nämlich noch sehr viel mehr in petto. ;)

Liebe Grüße!
 

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Mein erster Besuch, speziell auf der Flugplatzwiese, war im September 2022. Ich muss noch dazu sagen, da ich erst 19 bin, ist bei mir leider nicht viel mit Experte, "alter Hase" und Veteran von "damals". In meinem Fall kann also grad mal die Rede von den letzten Jahren sein, seit denen ich ja überhaupt erst jugendlich bin. Mal so zur Verdeutlichung - 2020 war ich 14. Und das ist halt wirklich nicht lang her.. haha Betrachtet mich also bitte als Nachwuchs der Interessengemeinschaft. Meinesgleichen (also "Generation Z") setzt sich nicht mehr im Detail mit Dingen auseinander und wendet Mühe auf.
 
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