Hauptnachrichtenzentrale des MfNV

Frank K.

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Hauptnachrichtenzentrale HptNZ des MfNV 'Wostok'

Strausberg, Prötzeler Chaussee - OBJ 05/026 - PF 66011 - ehemalige Lage bei » 52.593444, 13.921273

Der letzte Leiter der HptNZ Oberst J.Kampe hat ein Video bei Youtube veröffentlicht. Erstellt 2021 enthält es aktuelle Informationen, Grafiken, Schemata ohne Einschränkungen zu Struktur, Personal, Aufgaben und baulicher Anlage. Die gut 30 min sind zu empfehlen, da mE erstmalig das gesamte SBW in Strausberg in Form eines Rundganges gezeigt wird. Am Ende sind Aufnahmen des Abrisses des Stabsgebäudes enthalten, der Rückbau erfolgte 2019.

mfg Frank

 
Falls Herr Kampe derzeit mitliest: Zunächst einmal freundliche Grüße!

Eine schöne Doku, die zu einer Nachfrage anregt:
Wer saß nun eigentlich in den einzig tapezierten Räumen des Bunkers, die selbst der Chef nicht betreten durfte? Es ist von Wsch die Rede. Wenn man sowjetische Strukturen spiegelt, müsste es das MfS gewesen sein. Aber gerade bei der Verschlüsselung von Regierungsverbindungen kann man wohl nicht spiegeln. Saßen da Leute des Fernmeldeamts der Regierung, ging es um das R-Netz? Oder wie war die Sache?
 
WTsch ist u.a. eine transkripierte russische Abkürzung für Hochfrequenz HF, wird aber schon lang - noch vor dem WK II - als Synonym für gesicherte Fernsprechverbindungen der 'garantierten Sicherheit' benutzt. HF ist dabei ein wesentliches genutztes Mittel. Hier wird es im Zusammenhang mit den geheimen Regierungsnachrichtenverbindungen benutzt.

Deren Sicherstellung war der Abt. N des MfS übertragen. Allgemein waren WTsch-Verbindungen Führungsverbindungen für die Partei- und Staatsführung. Das MfS nutzte dafür eigene Leitungen, diese werden auch als 'R-Netz' bezeichnet. Die End-ver/ent-schlüsselungstechnik war in den genannten Räumen untergebracht. Dort wurden dann 'normale' Fernsprech-Leitungen heraus / hinein geführt, hier also in eigentliche Räume der HptNZ und von dort durchaus auch weitergeführt (!). Im Link[¹] wird speziell auf die WTsch-Installation in der HptNZ eingegangen.

MMn waren zugehörige Arbeitsplätze im normalen Betriebsmodus des SBW nicht permanent besetzt, die Geräte arbeiteten autonom. Sie mußten aber gewartet, überprüft und notfalls repariert werden können. Dazu durften sie den abgeschlossenen Bereich nicht verlassen. Daher waren dafür notwendige Dinge installiert und vorhanden.

Tipp » Suche nach WTsch führt zu weiterführenden Treffern

mfg Frank

[1] http://scz.bplaced.net/wtsch.html#mfnv
 
Das sogenannte R-Netz war das Sonderfernsprechnetz des Ministerrates, auch als Regierungfernsprechnetz bezeichnet und offen. Zuständig Fernmeldeamt der Regierung (FMA Reg) in Berlin Klosterstraße Ecke Stralauer Straße. War ein anderes Netz und gehörte zur DP, hat mit WTsch nichts zu tun. Die WTsch Zentrale in Strausberg war m.W. ständig besetzt. Für WTsch Verbindungen wurden sowohl MfS eigene Sonderkabel als auch z.B. Mietleitungen der DP genutzt.
 
Es gab ein "Fernmeldeamt der Regierung"? Ist das etwas was historisch auf der Deutschen Reichspost aufbaut?
 
Klares Nein.
Lass uns mal anders anfangen: auf der physischen Ebene hast Du Kabel (oder Richtfunk). Nun kannst Du daraus ein Netz oder mehrere getrennte Netze bauen. Eine Ebene höher, nennen wir sie logische Ebene, kannst Du virtuelle Netze bauen - so würde man das heute nennen.

Die DDR hatte zwar wenige private Telefonanschlüsse, dafür aber viele Netze, deutlich mehr als 20. Für den Regierungs- und Militärbereich hätten wir zum Beispiel (wie hieß das vor Schreck?) ein gassenbasiertes Netz, da waren die militärischen Bedarfsträger angeschlossen. Dann das S1-Netz. Und eben das R-Netz, ich komme gleich dazu. So ziemlich jede Industrie hatte auch noch eins: Die chemische Industrie, die Energiewirtschaft, die Reichsbahn, das wirst Du kennen: BASA.

Das R-Netz ist hier beschrieben: https://de.wikipedia.org/wiki/Sonderfernsprechnetz_des_Ministerrates_der_DDR
Dieses Netz spielt eine (bis heute unklare) Rolle beim Mauerfall. Rein technisch ist mir unklar, ob das ein handvermitteltes Netz war (Endgeräte ohne Wählscheibe). Auch ist mir nach den letzten Beiträgen unklar ob und ggf. wie verschlüsselt war, ich ging von WTsch aus. Selbst die Anzahl der theoretisch möglichen sowie praktisch angeschlossenen Teilnehmer ist mir unklar. In irgend einem Buch wurde wohl auch darauf eingegangen, ich habe eine schwache Erinnerung.

Die an anderer Stelle von @Frank K. genannten Strausberger Hefte habe ich leider nicht. (Ich würde es gegen Aufwandsentschädigung auch digital nehmen.)
 
Die an anderer Stelle von @Frank K. genannten Strausberger Hefte habe ich leider nicht.
Ich habe die Stelle nicht wiedergefunden, wahrscheinlich ist daß diese Schriftenreihe gemeint ist.
Insbesondere da die Mitteilungen 18/2006 & 11/2001.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich nahm an dass sich deine Frage auf das Objekt bezog. Das Objekt wurde in seiner Bedeutung von der Regierung der DDR weitergenutzt, es ist naheliegend dass sich dort das FMA mit befand.

Das auf deinem Bild gezeigte das war der Ministerrat, laut deinem Bild genau dahinter war ein Neubau, da war das FMA der Reg. drinnen. Jüdenstr.- Ecke Stralauer Str. genau.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hier stand es jedenfalls an der Tafel am Eingang dran. Eingang war in etwa unter dem Marker 52°30'57.97"N 13°24'45.22"E, wo in dem Gebäude es war, kann ich nicht sagen, es gab sicher auch einen Bunker oder geschützten Keller.
 
Hallo Frank!
Mein Fehler Klosterstraße-Ecke Spandauer meinte ich natürlich. 1998 bin ich weg aus Berlin, man hat sich das verändert. Hier ist das FMA der Reg. Gemeint. Der Eingang und die Zufahrt waren in der Klosterstraße.
 
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