Bobbin (Rügen): NVA-Gelände

Naja Bobbin, jetzt ein Saurierpark - ich denke so um 1975 wurden in einem Bereich der Dienstellenzugehörig zur 6. Flottille (ganz oben rechts) Matrosen, frisch von der Flottenschule kommend und verblendet, für den GA7 Einsatz auf den Schiffen Ausgebildet. Sie wurden angefüttert mit mit einer speziellen Aufklärerausbildung, die ja nicht jeder verdienen würde. Ausgebildet wurde sehr hart. Frühsport mit freiem Oberkörper in Stiefeln und Bordblau 10 Km in einer Stunde, vor dem Frühstück. Nahkampf, Ernährung aus der Natur, Spionageausbildung, Aufklärung von Objekten. Auch das Springen aus hohen Objekten wurde da trainiert. Psychische Belastungsproben - auch das. Landgang (Ausgang) gab es aus konspirativen Gründen nicht. Auch Urlaub war tabu. Dafür gab es am Wochenende je 1 Flasche Bier.
Ob das jetzt Alles so im einzelnen richtig ist, kann ich nicht 100%ig sagen. Diese Informationen stammen von einem Reservisten, der vermeintlich dort ausgebildet wurde und nach der Ausbildung rigeros die Mitarbeit für die Staatssicherheit der DDR abgelehnt hat. Leider kann ich ihn dazu nicht mehr befragen. Er ist 2017 verstorben. Das er aber eine kämpferische Ausbildung hatte, lies nicht nicht verleugnen. Der Sport hat uns miteinander bekannt gemacht und eine jahrelange Freundschaft entstehen lassen. Ich hoffe damit mal Klarheit über die Nutzung des Objektes, neben dem PiBK-18 und dem bestandenem Straflager zu DDR Zeiten. zu bringen.

Gute Grüße in die Runde.
 
Im Grunde sagst Du, dass es neben der KSK-18 eine weitere Eliteeinheit bei der Volksmarine gegeben habe. Hmmm - hat der Mann mal eine Einheitenabkürzung erwähnt?

Auf den ersten Blick klingt das wie eine Räuberpistole. Aber damit bin ich sehr vorsichtig, denn ich kenne bei den Grenztruppen einen ähnlichen Fall. Da wird bis heute bestritten das die Schwarte kracht - ich habe aber mehrere Zeitzeugen, die genau dort dienten[¹]. Die aber nicht bereit sind, sich öffentlich zitieren zu lassen, grummel.

[¹] Und erhebliche Probleme bei der Rentenkontenklärung hatten, weil sie nach Aktenlage völlig woanders dienten - da aber naheliegenderweise in den Akten nicht auffindbar sind...

[²] Ein weiterer ähnlich gelagerter Fall sind SaZ/UaZ, die auf der Gauß zwecks Vermessung fuhren. Die wissen bis heute nicht, dass sie für die Verwaltung Aufklärung der NVA fuhren.
 
...auf den 1. Blick eine Räuberpistole? Mit allen anderen Dingen die du aufführst hast du Recht. Es ist 50 Jahre jetzt her, was er dort erlebt hat. Ich vergas noch zu erwähnen, dass natürlich neben den schon erwähnten Ausbildungen auch Waffenkunde (und nicht nur die der NVA), Psychologie, Schießtraining, Schiffserkennung und das Sprengen von Objekten gelehrt wurde. Die Ausbildung im Gelände fand ohne Dienstgradabzeichen in der Felduniform statt. Das gab schon zu denken. Anfänglich der Ausbildung wurde dann allen Kursanten, so nannte man die Matrosen im 2. Diensthalbjahr klar, wofür man nach der Ausbildung eingesetzt werden sollte. Natürlich um auf den Schiffen im Sinne der Staatssicherheit zu agieren. Da ich ihm sehr verbunden war und eine innige Freundschaft bestand, hat er mir oft von dieser Zeit berichtet und ich weiss deshalb gut darüber Bescheid. Bevor der Saurierpark entstand hatte ich Gelegenheit in das verlassene Objekt zu fahren. Es standen noch Baracken, die genau in die Beschreibungen passten. Es muss ihn sehr geprägt haben diese Zeit in Bobbin, denn er war immer sehr erleichtert mir - nur mir darüber zu berichten. Der Umstand, dass hier Niemand von dieser Einheit etwas weiss, zeugt auf jeden Fall davon, wie konspirativ mit dem Sachverhalt seitens des MfS und den Beteiligten und auch den damaligen Kursanten umgegangen wurde und vielleicht auch noch jetzt ein Deckmantel darüber liegt.
 
Ok, tasten wir uns näher heran.

Was weißt Du über diese angebliche oder tatsächliche Einheit? Hat er mal erwähnt, wie viele Mann das waren? Hat er mal eine Einheitenbezeichnung erwähnt, eine Einheitenabkürzung? Eine Postfachnummer, einen Tarnnamen?

Was hat er zum Auftrag der Einheit gesagt? Was zur Bewaffnung, was zur Logistik, zu Transportmitteln?

Gibt es einen Nachlass? Solche Leute haben manchmal so ein "nach meinem Tod soll es veröffentlicht werden".

Über welches Jahr reden wir eigentlich, wann soll das gewesen sein?

Du engst gleich auf das MfS ein. Falls dem so war, müsste es einen Diensteinheitenschlüssel geben, ich vermute im Raum der HA I.

Aber MfS ist nicht zwingend, da kommen auch andere in Frage. Die NVA selbst. Oder die Verwaltung Aufklärung der NVA. Oder der Raum der DE IX oder der 9. Kompanie des MdI. Gut, letztere sind nicht sooo wahrscheinlich. Andererseits ist Deine Story jetzt auch nicht wahrscheinlich...

Und man muss es in Erwägung ziehen: Es ist auch möglich, dass er einfach was erfunden hat, weil PiBK-18 eher unspektakulär ist. Wobei - Pioniere sind offensiv - also Angriff, das müsstest Du im Auge behalten.
 
...na dann ist eben so für dich wenn du das denkst. Allerdings hast du keine Story gelesen. 1974 ist er im April von der Flottenschule in Parow in diese "Aufklärerausbildundstätte"abkommandiert worden. Es waren ca. 20 Kursanten, die dort ein halbes Jahr unter harten Bedingungen als Aufklärer also Spitzel der Stasi ausgebildet wurden. Nach einem halben Jahr kamen die nächsten Matrosen, die dann als Obermatrose auf die Schiffe der VM verteilt wurden um dort das Ohr an der Besatzung zu haben. Auf jedem Schiff gab es ja den 7. Gefechtsabschnitt, obwohl es ja nur 6 gab. Warst du bei der Marine? Er war in Parow in der Flottenschule als Sperrgast ausgebildet. Als er auf ein Schiff nach der Ausbildung kommandiert wurde lehnte er ja die Zusammenarbeit mit dem MfS ab und wurde degradiert zum Matrosen um im Rückwärtigen Dienst arbeiten zu müssen. Sein Ideal war die Marine und dann zur See zu fahren. So können geplatzt Träume aussehen. Die Ausbildungsstätte gehörte zur 6. Flottille in Danske. das hat also nicht mit PiBK zu tun. Als seine Legende, warum er in Bobbin war sollte der Dienst beim Bergung und Sicherungsdienst der Volksmarine, welcher wohl auch dort ansässig war herhalten. Auf jeden Fall kann ich soweit zum Thema beitragen und denke, da es nun schon so lange her ist, Beteiligte sich daran nicht erinnern wollen.
PS: wann und wo hast du denn gedient ? In Bobbin ?
 
Die Ausbildungsstätte gehörte zur 6. Flottille in Dranske. das hat also nicht mit PiBK zu tun. Als seine Legende, warum er in Bobbin war sollte der Dienst beim Bergung und Sicherungsdienst der Volksmarine, welcher wohl auch dort ansässig war herhalten.
Ja, neben dem PiBK gab es dort auch Teile der 6.Flottille. Das Objekt war deutlich größer als die PiBK, das waren ~77 ha. Die waren nord-westlich um den Spyker See bis zur L60 lokalisiert.
 
...na dann ist eben so für dich wenn du das denkst. Allerdings hast du keine Story gelesen.

Ich weiß nicht, warum Du so angepisst reagierst.
Zeithistorische Forschung muss alles hinterfragen, insbesondere Zeitzeugenaussagen. Und wenn die Zeitzeugenaussagen über einen Umweg kommen und man den Zeitzeugen gar nicht mehr befragen kann, ist besondere Vorsicht geboten: Akten oder andere schriftliche Dinge hast Du ja offenbar nicht.

Ganz grundsätzlich gilt die Regel, die auch im Journalismus gilt: Wenn eine Aussage nicht durch zwei unabhängige Wege verifizierbar ist, ist die Aussage nicht verwertbar.

Und natürlich muss man genau schauen, wenn der Verdacht "Stasi" ins Rennen kommt. Dazu habe ich Dir aber genug geschrieben; vielleicht liest Du meine Beiträge an Dich nochmals.
 
Ja, neben dem PiBK gab es dort auch Teile der 6.Flottille. Das Objekt war deutlich größer als die PiBK, das waren ~77 ha. Die waren nord-westlich um den Spyker See bis zur L60 lokalisiert.
...ja das stimmt genau. Das kleine Objekt der PiBK wurde auch mit Schäferhunden bewacht, die an einer Rolle auf einem Seil angekettet waren so konnten sie das Gelände eingrenzen und keiner der Soldaten, die wahrscheinlich nicht freiwillig dort sein mussten (Strafkompanie ?)konnte weg. Das war an der Pappelallee links gelegen. Von aussen, also von Bobbin kommend in Richtung Glowe war die Einfahrt zu dem Gelände kaum einsehbar und schlecht zu finden.

...@martin2 Zitat: "Wenn eine Aussage nicht durch zwei unabhängige Wege verifizierbar ist, ist die Aussage nicht verwertbar". Vielleicht findet sich hier einen Mitleser, der bestätigen kann, wie und was in dieser Zeit in Bobbin so abging. Ansonsten bin ich nicht angepisst, wie du schreibst.
Übrigens sei vorerst nur von mir erwähnt und deshalb nicht durch 2 Wege verifizierbar. - Ein paar Leute kenne ich bereits schon, die sich sogar selbst gern sehr genau nehmen.

Damit verbunden nette Grüße in die Interessenten-Runde.
 
Nein Frank. Das ist ja in Glowe direkt. Die nördliche Grenze des Geländes war Baldereck. Nordöstlich standen die Baracken. da ich Gelegenheit hatte gleich nach der Wende das mittlerweile Bundeswehrgelände zu betreten, weiss ich das. Denn die leeren Gebäude, die später zerstört wurden standen noch. Der Torposten nahm das nicht so genau und lies meine Frau und mich rein, als ich ihm sagte, dass ich Interesse an dem Gelände hätte.
 
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