BARS 104 / Troposphärenfunkstation

Frank K.

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Bei unserer aktuellen Analyse der Stationen in Bulgarien fiel die lange Strecke zwischen 603 und der 106 wieder auf. 106 ist in der Nähe des GS der Südwest-Richtung in Oliscani, Moldawien. Dieser inkl der Tropo wurde von HP besucht und im Forum thematisiert. Das sind gut 580km Distanz und geht (natürlich) über Rumänien hinweg. Technisch ist dazu keine Lösung bekannt. Die 106 galt bisher als die östlichste Station des Systems.

Eher zufällig bei der Webrecherche zu BARS Bulgarien tauchte eine bisher allgemein nicht bekannte Station auf » die offenbar reale 104 in der Ukraine. Man ging bisher davon aus, daß die in verschiedenen Quellen (und auch hier im Forum so angegebene) 106 eigentlich die im bekannten BARS-Schema verzeichnete 104 ist.

Ukraine / Odeska / Chervonoarmiyske / Bolgrad »
45.704822, 28.725297
45°42'17"N 28°43'31"E

Die 106 liegt danach zwischen der 109 und der 104. Die Abstände dazwischen entsprechen den Normen des Systems BARS. Die Distanz zwischen der 104 und der 603 auf der Achse 4 beträgt nunmehr knapp 400 km. Dafür gibt es eine technische Lösung » das Tropo-System R 420 'Athlet' D, Reichweite bis 420 km bei 24 Kanälen.

Auch muß der reale Verlauf der Rochade 1 zwischen der 109 und 104 nun näher betrachtet werden.

Das muß & wird bei uns weiter im Fokus bleiben - Grüße Frank
 
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burk

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Hallo Frank K,
aus meiner Sicht ist das aber nicht gerade Sinnvoll auf einem Segment des Netzes von 60 Kanälen auf 24 zu gehen.

... meint BURK
 

Frank K.

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So ist das. Technischer Zwang halt. System R 420 auch auf der Strecke 503 – 605 (Rochade 5) im Einsatz gewesen. Das ist so schon vor fast 10 Jahren diskutiert worden, hat offenbar allgemein weniger interessiert.

Grüße Frank
 

Uecker

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Die Netztopologie des Troponetzes BARS sagt dazu überhaupt nichts zur Abträglichkeit aus. Sie zeigt nur eine Netzstruktur und die maximal möglichen übertragbaren Kanäle in Abhängigkeit von der eingesetzten Technik.
Ob mit solchen Maßnahmen (R-420) ein Flaschenhals entsteht zeigt nur die interne Netzstruktur. Welche Kanäle/Gruppen innerhalb des Troponetzes laufen von wo nach wo- wo erfolgen Abzweigungen und Neubelegungen....
Wir werden dann feststellen: Von den 60 möglichen Kanälen war keine durchgängige 100% Auslastung gegeben. In der Regel waren max 48 Kanäle beschalten. Auf den Richtungen mit R-420 waren max 12 Kanäle benötigt und beschalten, die im unteren Seitenband transportiert wurden. Also 100% Reserve auf der Richtung. Was will man mehr.
 

Frank K.

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Deine Bemerkungen sind so verständlich. Der Basisartikel kann mE nur vom Admin geändert werden - das ist dein erster Link.

Einsatz Gerätesatz R 417 S zwischen 170-270 km angegeben. Die realen Entfernungen (ausserhalb Bulgariens) liegen zwischen 108 & 271 km.

Die kurze Distanz 108 km gilt für 109 - 103 (Achse 3). Das ist für Einsatz Tropo äusserst fraglich. Es muß also hier weitergeforscht werden. Allgemein gesagt ist jetzt ziemlich klar das unterschiedliche Gerätesätze und auch auf Einzelstrecken Richtfunk (letzteres Vermutung, technisch begründet) zum Einsatz kamen.

Es gibt dazu ein aktualisiertes KMZ-File. Vor dessen allgemeiner Veröffentlichung werden idR interne Interessen zu angekündigten Veröffentlichungen beachtet.
 

martin2

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Ich danke Dir für Deine schnelle und sachliche Antwort.

Mir fällt das tatsächlich schwer: Ich habe mich immer nur am Rande sowie in großen zeitlichen Abständen mit BARS beschäftigt - also nie intensiv. Ich kann euch da nicht das Wasser reichen.

Gleichwohl finde ich das Thema interessant. (Übrigens auch die wohl unterbelichtete Frage der Netzübergänge - also ob und an welchen Knoten es Übergänge in andere Netze gab. Das ist schon deshalb interessant, da es [mindestens] zwei weitere quasistationäre sowjetische Tropo-Netze auf DDR-Gebiet gab. Will sagen: Netzübergang bedeutet nicht nur hin zu Kabel oder Richtfunk, sondern ggf. auch auf andere Tropo-Netze, zumindest vorbereitet.)

Welchen Schwur muss man denn schwören, um mal vorsichtig auf das KMZ schauen zu dürfen?
 

Frank K.

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Ja, das ist bekannt mit dem GSSD (oder CA) internem Troposystem in der DDR und auch VRP. Man kann da nicht einfach überwechseln, da sprechen technische Gründe dagegen. Es sei denn man hat einen gleichen Gerätesatz (auch mobil) wie bei BARS verwendet im Einsatz. Da sprechen auch wieder Gründe dagegen, da keine freien Gerätesätze bei BARS bekannt sind. Meine aktuelle Hochrechnung liegt bei -2, also 2 Reserve. Aber wie ein bekannter Kollege einmal sagte, der Forschungsgegenstand ändert sich mitunter wöchentlich ... :)

Man braucht es eigentlich auch nicht. Ganz profan gesagt stellt man seine eigene Station (GSSD) neben eine BARS-Station und verbindet das mit Kabel.

Und was das KMZ-File betrifft. Das ändert sich aktuell auch laufend und ansonsten herrscht hier intern Loyalität untereinander. Sobald Freigabe erfolgt (und man das auch fachlich vertreten kann) wird es gepostet.
 

martin2

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Bezogen auf das DDR-Gebiet sollten es zwei unabhängige gewesen sein: Eins der Luftwaffe und eins des -ich sage mal- Heeres.

Deine Ausführungen technischer Art habe ich verstanden - das war mir durchaus klar. - Unklar ist die Nennung "-2, bezieht die sich auf die beiden ominösen westlichen Gegenstellen auf DDR-Gebiet?

Das mit dem KMZ-File verstehe ich auch nicht: Aus welchen Gründen muss man loyal gegen die Außenwelt sein? (Im Übrigen sprach ich nicht von Veröffentlichung.)
 

Frank K.

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Unklar ist die Nennung "-2, bezieht die sich auf die beiden ominösen westlichen Gegenstellen auf DDR-Gebiet?

Das bezieht sich auf die Gegenrechnung der produzierten Gerätesätze mit den mindestens im System benutzten. Warum ominös ? Die 301, 302 & 303 hatten freie Plätze für Gerätesätze. Dort hätten bei Bedarf weitere Strecken andocken können, wahrscheinlich mobile R 417 auf KAMAZ.

Naja und loyal muß man nicht sein, kann es aber. Anders kann ich mir jedenfalls nicht ein über längere Zeit bestehendes Vertrauensverhältnis vorstellen.
 

martin2

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Das bezieht sich auf die Gegenrechnung der produzierten Gerätesätze mit den mindestens im System benutzten.
Ich habe es immer noch nicht verstanden. Was ist der Bezug? Das komplette System BARS?

Warum ominös ? Die 301, 302 & 303 hatten freie Plätze für Gerätesätze. Dort hätten bei Bedarf weitere Strecken andocken können, wahrscheinlich mobile R 417 auf KAMAZ.
Das mit den freien Plätzen ist bekannt. Nein, anders: Vor vielen Jahren hat jemand behauptet, dass es auf DDR-Gebiet zwei weitere geplante Bauplätze für stationäre Troposphärenfunkstellen gegeben hätte, beide westlich der gebauten Funkstellen. Ich weiß nicht mehr genau, wer das behauptete.
 

Frank K.

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Ich habe es immer noch nicht verstanden. Was ist der Bezug? Das komplette System BARS?

Ja natürlich, das komplette System BARS, nur war das nicht komplett mit Gerätesatz R 417 S 'Baget' ausgerüstet.

Vor vielen Jahren hat jemand behauptet, dass es auf DDR-Gebiet zwei weitere geplante Bauplätze für stationäre Troposphärenfunkstellen gegeben hätte, beide westlich der gebauten Funkstellen.

Die waren nicht nur geplant, die waren im Einsatz. Nur läßt sich das heute schlecht verifizieren. Die CA hat alles komplett rückgebaut und mitgenommen, es verblieben nur die Hüllen der SBW. Neben genauso rückgebauten Gegen-Stationen auf ehemaligen TüP der CA/GSSD sind auch stationäre Zwischenstationen bekannt (irgendwo in der freien Botanik, dort wo sie technisch gebraucht wurden). Das sind Objekte, welche (auch) im Bestand der NVA geführt wurden und also Datenbank bekannt sind.
 

martin2

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Ich will mal auf diesen Beitrag #13 von @Frank K. hinweisen.

Wenn ich Frank recht verstehe, behauptet er, dass es (zwei?) weitere BARS-Stationen auf DDR-Gebiet gab. Diese seien in einer mir nicht näher bekannten Datenbank verzeichnet.
 

Klondike

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gibt es nicht grundsätzlich eine Unterscheidung zwischen den B.A.R.S. Stationen und weiteren Funkstationen? Auch mir sind diese Erklärungen bekannt, das Objekte zwar Tropo sind, aber nicht zu BARS gehören sollen, leider gab es keine weiteren Infos dazu und ich habe auch nichts weiter dazu gefunden, weiß jemand etwas? kleines Backup System?

Meine Infos stammen aus einer kleinen nebenbei Unterhaltung, hatte ein Objekt im Ausland mit Nummer XYZ beschrieben und mir wurde gesagt das ist falsch, Objekt gehört nicht ins BARS System, also nichts was ich definitiv belegen kann...

Grüße
 

the passenger

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gibt es nicht grundsätzlich eine Unterscheidung zwischen den B.A.R.S. Stationen und weiteren Funkstationen? Auch mir sind diese Erklärungen bekannt, das Objekte zwar Tropo sind, aber nicht zu BARS gehören sollen, leider gab es keine weiteren Infos dazu und ich habe auch nichts weiter dazu gefunden, weiß jemand etwas? kleines Backup System?

Meine Infos stammen aus einer kleinen nebenbei Unterhaltung, hatte ein Objekt im Ausland mit Nummer XYZ beschrieben und mir wurde gesagt das ist falsch, Objekt gehört nicht ins BARS System, also nichts was ich definitiv belegen kann...

Grüße

Moin.
Es scheint nach meinem Wissen keine generellen Informationen dazu zu geben. Mußt Du wohl mit ganz kleinen Brötchen zufrieden sein.
Aus meiner Sicht: Es gab nach Mitte 1980er Jahre System BARS, es gab Vorläufer-Systeme mit anderen Geräten/Akteuren/Objekten/Notwendigkeiten, und es gab zunehmend mobile Troposcatter-Einheiten (Mitte der 1980er hatte wohl jede SS-20-Einheit eine solche mobile Abteilung).
Darüber hinaus gab es bei dem Aufbau des BARS-Systems aus meiner Sicht wohl noch direkte (Kabel/Funk/Richtfunk-?) Verbindungen zwischen der alten und der damals aktuellen Technik (eben BARS/modernisierte, mobile Troposcatter-Technik)..

(Zur Einschätzung meiner Kenntnisse: als anerkannter "Kriegsdienstverweigerer" der ehemaligen BRD wünsche ich Dir ein gutes 2019!)
Gutgehn, Christian
 

martin2

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Als ehemaliger Nachrichtensoldat möchte ich mitteilen (da flottelotte42 gerade nicht schreibt), dass es Doktrin war, Nachrrichtenverbindungen "zu doublieren" - also mehrfach zu haben. Das heißt, dass es die gleiche Nachrichtenverbindung als Draht, Funk, Richtfunk, Troposphärenfunk, Sat-Funk gab - sicher nicht alles gleichzeitig. Aber immer mehrfach.

Zur eigentlichen Frage:
Es gab ja mobile R-417. Ganz allgemein setzte die NVA mobile Nachrichtentechnik mobil ein, die GSSD setzte mobile Nachrichtentechnik aber AUCH quasistationär ein. Die standen dann halt immer da.

Es wäre tatächlich vorstellbar, dass es in der DDR zwei weitere BARS-Stationen (dann wohl gebildet aus mobiler Technik) gab. Das würde aber auch voraussetzen, dass zwei BARS-Stationen (die 301 und die 303) einen weiteren gerätesatz sowie einen weiteren Antennensatz hätten haben müssen.

Laut der Wollenberg-Seite wurden die bei der NVA befindlichen mobilen R-417 aber nur testweise in Betrieb genommen. Da sind wir wieder bei der Frage, für wen das BARS-Netz eigentlich war, wer also die Nutzer waren.
 

Büttner

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Das muß & wird bei uns weiter im Fokus bleiben - Grüße Frank
Und weiter geht es, Anlass ist:
http://www.hidden-places.de/showthr...tensilos-mehr)?p=126006&viewfull=1#post126006

Hier ein Dokument aus der BARS-104, ganz oben die Feldpostnummer. Interessant auch das Datum und die Nennung Odessa - 30.

Mit besten Dank an die Mitstreiter der Begehung für das auffinden und die Sicherstellung dieser Dokumente. Während das Obergeschoss normal zugänglich ist muß man eine Steigleiter in einem nicht ganz offensichtlichen Schacht nutzen um in das Untergeschoss zu gelangen. Das Bauwerk ist trocken. Es befindet sich am Rande eines ehemaligen Truppenübungsplatzes bzw. Schießplatzes. Teile werden weiterhin militärisch nachgenutzt. Mir ist keine Karte bekannt die dieses Areal als militärisches Sperrgebiet kennzeichnet.

Als erdüberdeckte Garage kamen zwei Granit-Röhren zur Anwendung. Weitere BARS mit Granit-Röhren sind mir nicht bekannt.
 

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Frank K.

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Ein weiteren Punkt als Ergebnis der bisherigen Feldarbeit vor Ort an der 104 & 106 sei hervorgehoben, nicht das das noch untergeht.

Bei der doch schon ziemlich langlaufenden Webrecherche zum System fällt auf das offenbar generell keine weiteren schematischen Systemdarstellungen öffentlich sind außer der bekannten Karte in der Tropo 301 Wollenberg. Diese Karte als ‚Mutter‘ der zum System belegbaren Übersichts-Information zu betrachten wäre, es scheint die Einzige zu sein die im quasi öffentlichen Raum ‚überlebt‘ hat.

Das ist schon lang eine Vermutung. Im Zusammenhang mit den von Stefan nunmehr dokumentierten Relikten habe ich beim Historiker J.Kampe nachgefragt ob sein Schema (zB bei Wikipedia) von dieser Karte als Vorlage stammt. Das hat er so bestätigt und dies gilt auch für die Skizze die sein Bruder Hans-Georg im Handbuch Teil VI zeigt. Er hätte noch eine weitere, nicht primäre Quelle aus dem russ. Internet, genutzt. Die stellt aber nur einen Auszug der 301 Karte dar.

Diese Karte wiederum repräsentiert einen System-Stand von 1986/87.

Und das bedeutet daß diese Karte nicht das Non plus ultra der BARS-Informationen darstellt. Sicher auch bewusst seitens der sowj. Streitkräfte bzw. gar nicht anders zu erwarten. Man hat Mitgliedern der Vertragsstaaten schlicht nicht die Realität der strategischen Verteidigung des Mutterlandes vermittelt, auch nicht in kleinen Details.

In Unterlagen bzgl Tagungen der Chefs Nachrichten der Warschauer Vertragsstaaten aus dem Jahr 1989 gibt es Informationen wie es an der Nord-Ost-Ecke mit einer noch zu installierenden Station im Raum Kaliningrad weitergegangen wäre bzw die 106 eigentlich in Chisinau stehen sollte. Das Bauwerk bei Chisinau ist aber wegen der politischen Wirren um frühzeitige Eigenständigkeit Moldawiens ab Mitte der 1980er nie fertig geworden. Die Station bei Balti soll danach eine Notlösung und in schlechter Bauausführung sein.
 

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