Balaclawa: U-Bootbunker Objekt K-825 und Objekt 820

bitti

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Höchste Geheimhaltungsstufe
27.06.2008 | 19:12 | UNSERER KORRESPONDENTIN KATHRIN SINGER, KIEW (Die Presse)

UKRAINE. Bis 1991 war das idyllische Hafenstädtchen Balaklava auf der Krim streng geheim: In einem atombombensicheren unterirdischen Werk reparierten die Sowjets ihre U-Boote.

Balaklava. Irgendwoher klingt der Name bekannt. Ein türkisches Gebäck ist es nicht. Aber türkisch klingt es schon. Und es waren auch die Türken, die 1475 das griechische Handelszentrum auf der Halbinsel Krim eroberten und dem Ort diesen wohlklingenden Namen gaben.

Balaklava kennt man in der Ukraine aber nicht wegen der Krim, sondern wegen der schwarzen Kopfbedeckung, die man sich tief über die Augen zieht, wenn man unerkannt bleiben will. Und das hat doch mit der Krim zu tun: Balaklava, ein kleiner Ort, geschützt zwischen steilen Klippen und strategisch supergünstig am Schwarzen Meer gelegen, war im Krimkrieg 1854 von den Engländern als Stützpunkt ausgesucht worden, um von hier aus Sewastopol zu erobern. Doch der Krieg zog sich länger hin als geplant. Es wurde Winter, gegen die Kälte zogen sich die englischen Soldaten in Balaklava ihre wollene Mütze bis tief über die Ohren. Geboren war der Ausdruck Balaklava. Für die Kopfbedeckung.

Und so kommt es, dass jeder den Namen für diese Mützen, aber kaum jemand den hübschen Ort mit seinem Hafen, seinen Jachten und Cafés kennt. Das betrifft nicht nur Ausländer, sondern auch 99 Prozent der Ukrainer und Russen, denn Balaklava war zu sowjetischen Zeiten geheimer als geheim – noch geheimer als die zehn Kilometer entfernte verbotene Stadt Sewastopol. Aber die fand man wenigstens auf der Karte. Balaklava hingegen verschwand nach 1950 von den Landkarten.



126 Meter unter der Erde
Nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki beschloss Moskau im August 1945, im direkt ins Meer reichenden Berg von Balaklava einen unterirdischen Bunker zur Reparatur von U-Booten zu errichten. Das unterirdische Bollwerk sollte einer 100- Kilotonnen-Atombombe standhalten. Stalin selbst verlieh dem Bau die allerhöchste Geheimhaltungsstufe. Von 1954 bis 1963 wurde die 15.000 Quadratmeter große Anlage aus Trockendocks und Werkstätten 126 Meter tief im Berg erbaut. Vier U-Boote konnten hier gleichzeitig repariert werden. Nach der Unabhängigkeit von Russland 1991 erklärte die Ukraine den atomwaffenfreien Status. 1997, nachdem das letzte U-Boot die Ukraine verlassen hatte, wurde auch das Städtchen Balaklava geöffnet. Seitdem können Touristen unbeschwert dieses Relikt des Kalten Krieges bestaunen.

Das Werk ist genial platziert, ist doch die Bucht von Balaklava ganz besonders geschnitten: wie ein großes S. Vom Meer aus ist der Ort, der sich entlang der Bucht erstreckt, unsichtbar. Die U-Boote fuhren in die Bucht und durch ein schweres Metalltor in den Berg hinein. Durch ein zweites Tor schlichen die U-Boote wieder direkt ins Meer hinaus.

Der unterirdische Weg der U-Boote kann heute nachvollzogen werden. Die Tour geht vorbei an der Schleuse, den Trockendocks, an den ehemals sehr gut belüfteten Werkstätten, in denen die Torpedos getestet wurden. Im Werk arbeiteten 300 Spezialisten im Dreischichtsystem, je vier Stunden. Es gab eine eigene Küche und auch eine Poliklinik. Im Ernstfall war man auf die Evakuierung von 3000 Menschen eingestellt. Für 30 Tage hätten Flüchtlinge und neun U-Boote versteckt werden können. Die mächtigen Wände und Tore, die die Räume teilten, machen enormen Eindruck. Ein Gemisch aus Beton, Zement und Glas sollte für die Sicherheit im Ernstfall garantieren. Eine Kulisse, perfekt für einen James Bond-Film. Verrückter kam man sich das alles gar nicht ausdenken. Aber es ist Teil der Geschichte. In einem Saal stehen denn auch einige Schaukästen mit Torpedos, Fotos und Erklärungen – der Versuch, diese Epoche aufzuarbeiten, wirkt aber unentschlossen. Dazu kommt, dass der U-Boot-Bunker seit der Öffnung fast vollständig ausgeraubt wurde. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, selbst das 120 Tonnen schwere Eingangstor, wurde abmontiert und als Altmetall zu Geld gemacht. Der Eindruck ist trotzdem unvergesslich.



Cafés und Luxusjachten
Das Kontrastprogramm findet sich auf der anderen Seite der Bucht: Die hübschen Häuser, die Anfang des 20. Jahrhunderts von wohlhabenden Bürgern der Stadt Sewastopol als Sommerresidenz erbaut worden waren, sind restauriert. Im Hafen schaukeln Fischerboote neben Luxusjachten und Ausflugsschiffen, die Touren auf dem Schwarze Meer und nach Jalta anbieten. Cafés und Fischrestaurants laden zum Entspannen ein, ein Tauchfachgeschäft bietet Ausrüstung sowie Kurse an.

Die Region, in der seit Jahrhunderten erbittert um die Vormacht am Schwarzen Meer gekämpft wurde, ist zu einem Paradies für Taucher und Sonnenanbeter geworden. Urlaub in einem mediterran anmutenden Hafenstädtchen, das vor noch gar nicht langer Zeit einer der geheimsten Orte des sowjetischen Imperiums war, ist ein seltsames, exklusives Gefühl.

http://diepresse.com/home/leben/reise/394566/print.do
 

jollentreiber

New member
AW: Presseartikel: U-Bootbunker Balaklava

Hatten wir die Anlage nicht schonmal?

Anbei einige Fotos:
http://russos.livejournal.com/210363.html

Grüße
Martin

Hallo Martin,

na das wäre doch auch mal ein schönes Ziel für eines der nächsten Hidden-User Treffen:wink:. Zwar nicht ganz an einem WE schaffbar, aber Anmelden könnte man sich schonmal:
http://sevdig.sevastopol.ws/tur/gm.html

gruß Lutze

p.s. Und Jogimaster würde uns alles ständig übersetzen:grin:.
 

jogimaster

Member
AW: Presseartikel: U-Bootbunker Balaklava

@Jollentreiber:

das wird teuer :)

Fremdsprachendolmetscher haben hohe Gebührensätze pro Stunde :)

Sollten wir aber hinbekommen.

Gruß

jogimaster
 

Martin Kaule

Administrator
AW: Balaclava/ Sevastopol

Gut gefunden! Eine organisierte Tour steht im Frühjahr 2011 auf dem Plan!

Beste Grüße
Martin
 

Martin Kaule

Administrator
Was für ein Komplex, die Anlage besteht eigentlich aus 3 Teilobjekten.

  • U-Bootstollen und unterirdische U-Bootwerft
  • Torpedolager / Luftschutzbunker
  • Sonderwaffenlager / Lager für atomare Gefechtsköpfe / Montagehalle / Technikbereich

Anbei einige Impressionen.

Beste Grüße
Martin
 

Martin Kaule

Administrator
Torpedolager / Luftschutzbunker
 

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Martin Kaule

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U-Bootstollen und unterirdische U-Bootwerft
 

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Martin Kaule

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Sonderwaffenlager / Lager für atomare Gefechtsköpfe / Montagehalle / Technikbereich
 

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Büttner

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Was für ein Komplex, die Anlage besteht eigentlich aus 3 Teilobjekten.
In der Tat und für Erstbesucher ohne Zweifel beeindruckend. In Vergleich mit Fotos diverser Internetseiten fällt auf das vor Ort viel getan wurde und wird, daher von Jahr zu Jahr immer mehr Bereiche zugänglich gemacht wurden. Insofern wird man zukünftig gespannt sein wie das Torpedolager und der Maschienensaal mit der NEA nach der Restauration ausehen wird. Die Fotomöglichkeiten vor Ort hinsichtlich Ausleuchtung und Zugänglichkeit sind ideal, auch war es zusätzlich möglich einige Bereiche zu betreten die nicht Teil der offiziellen Führung waren. Das Preis-Leistungs-Verhältniss kann nur gelobt werden.

Fachlicherseits stellte sich bei der Begehung einige Fragen die zunächst offen blieben. Beispielhaft hierfür die Bevoratung mit Bewaffnung die über Torpedos hinausgingen oder die technologische Linie vom Lagerplatz der Torpedos über Bestückung mit Kernsprengkopf bis zur Bestückung der entsprechenden U-Boote. Der Zustand des SWL ist absolut erstklassig und ein gutes Beispiel für die verschiedenen Infrastrukturmerkmale derartiger Lagereinrichtungen.

Gruss
SB
 

Büttner

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Ich weißt jetzt nicht mehr wer mich darauf brachte aber die Info war das die anderen drei Flotten analoge Anlagen hatten, haben.

Da lese ich zurzeit in diesem Zusammenhang ein interessantes Buch:
http://www.hk94.com/3442150779.shtml

Und was steht da auf Seite 379 geschrieben?
Außerdem bauten die Sowjets vier große "Unterwassertunnel" in einem neuen U-Boot-Stützpunkt in Gremikcha an der nördlichen Spitze der Kola-Halbinsel, ungefähr 250 Kilometer von Murmansk entfernt. Aus der Steilküste herausgesprengt, waren die Granitbunker groß genug, um die Typhoons aufzunehmen, und schienen so beschaffen, um diese vor einen Nuklearangriff zu schützen.
Die zeitliche Schilderung bezieht auf auf 1979 bis 1981.

Wenn man sich die Dimensionen dieser U-Boot-Klasse durchliest kann man ahnen was für Abmessungen diese Stollen haben müssen ...

Weiß jemand wo genau sich die Stollen befinden?

Nachtrag:
Glaubt man wikipedia wurden alle U-Boote dieser Klasse auf dem Stützpunkt Nerpitschja im Fjord Sapadnaja Liza stationiert, das ist 60 Kilometer von Murmansk entfernt. In diesem Fjord befinden sich vier Stützpunkte, Nerpitschja ist im Vergleich der am weitesten von der Barentsee entfernte.
 
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Martin Kaule

Administrator
@Büttner: mir fällt gerade ein wen wir im kommenden Monat direkt zur Baltischen Flotte befragen können :). Die Bootsfahrt / Hafenrundfahrt in P. wurde eben nochmal direkt von ihm bestätigt. Wir müssen aber die Gruppe teilen, dort passen nicht soviele aufs Boot.

Beste Grüße
Martin
 

Büttner

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Das verlinkte Thema war mir überhaupt nicht bekannt. Das die Baltische Flotte derartige Stollen hatte möchte ich ausschließen. Gute Nachricht hinsichtlich der Hafenrundfahrt aus Baltijsk ist das!

Momentan ist das wiedersprüchlich. Die angegebene U-Boot-Klasse scheint ausschließlich in Sapadnaja Liza stationiert gewesen sein aber die Ortsbeschreibung verweist eben auf die andere Basis Gremikcha.

Beide Standorte sind hochauflösend verfügbar, also eigentlich könnte man erwarten das man mit etwas Sucherei fündig werden könnte.
 

Büttner

Active member
Nun, ich verstand es so das sich die Ostsee nicht allzu sehr anbot für die von der Nord-, Pazifik- und Schwarzmeerflotte verwendeten U-Boote. Sicherlich wird die Baltische Flotte auch U-Boote gehabt haben. Aber nicht diese großen und teuren, also besonders schützenwerten wie bei den anderen Flotten.

Auch denke ich mir das die Ostseeküste sich nicht besonders gut eignet für den Bau von Stollen in vergleichbaren Größenordnungen.

Möglicherweise kann bitti etwas dazu sagen.
 
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